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Votivkirche

Die Votivkirche am Ring nahe der Universität Wien ist ein herausragendes neugotisches Sakralbauwerk des 19. Jahrhunderts mit zwei markanten Türmen. Sie entstand als Dankes- und Gedenkstätte nach einem Attentat auf Kaiser Franz Joseph und prägt bis heute das Stadtbild der Ringstraße.

Kurzüberblick

Die Votivkirche in Wien ist eine der bedeutendsten neugotischen Kirchenbauten des 19. Jahrhunderts in Mitteleuropa. Sie steht nahe der Universität Wien an der Ringstraße und ist vor allem für ihr markantes Turmpaar, ihre kunstvolle Fassadengestaltung und ihre Stellung im städtebaulichen Programm der Gründerzeit bekannt. Das Bauwerk wurde als Votiv- und Dankeskirche errichtet und hat seit seiner Entstehung sowohl religiöse als auch stadtgeschichtliche Bedeutung.

Lage und städtebaulicher Kontext

Die Votivkirche liegt am Ring, unweit der Universität Wien, in einem von repräsentativen Gebäuden geprägten Abschnitt der Ringstraße. Der Standort ist Teil des architektonischen Konzepts der Ringstraßen-Entwicklung im 19. Jahrhundert, das städtische Repräsentationsbauten, Universitäts- und Kulturinstitutionen in einer klaren Abfolge zur Schau stellte. Die Kirche bildet zusammen mit dem angrenzenden Grünraum (Votivpark) und umliegenden Bauten ein weithin sichtbares Ensemble.

Geschichte

Die Votivkirche wurde als Reaktion auf ein Attentat auf Kaiser Franz Joseph errichtet. Als Votivkirche sollte sie ein öffentliches Dankeszeichen für das Überleben des Kaisers sowie ein Zeichen dynastischer und kirchlicher Verbundenheit sein. Der Entwurf für die Kirche ging aus einem Architekturwettbewerb hervor; der junge Architekt Heinrich von Ferstel setzte sich durch und erhielt den Auftrag.

Die Bauphase lag in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Entwicklung des Entwurfs und die Ausführung reflektieren die damals vorherrschende Tendenz zur historistischen Architektur, speziell zur Neugotik, die in vielen europäischen Hauptstädten als angemessener Stil für Sakralbauten angesehen wurde. Die Votivkirche wurde in dieser Phase nicht nur als religiöse Stätte, sondern auch als Monument der politischen Kultur und des städtischen Prestiges verstanden.

Im 20. Jahrhundert erfuhr die Kirche mehrere Erhaltungs- und Restaurierungsmaßnahmen; insbesondere nach Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg wurden umfangreiche Reparaturen und Reinigungen durchgeführt, um die Bausubstanz und die künstlerische Ausstattung zu sichern.

Architektur und Ausstattung

Die Votivkirche ist in neugotischem Stil gehalten und weist typische Merkmale dieser Stilrichtung auf: einen hohen, schlanken Hauptturm und ein zweites Turmpaar, spitzbogenförmige Fenster, ein reich gegliedertes Portal, Maßwerk und eine systematische Gliederung von Fassadenflächen. Charakteristisch sind:

  • Das markante Turmpaar, das die Silhouette der Kirche prägt und von weitem sichtbar ist.
  • Eine kunstvoll gestaltete Westfassade mit großem Rosettenfenster, Figuren und Ornamentik.
  • Ein langsamer, gestreckter Innenraum mit betonter vertikaler Gliederung, Gewölben und reich dekorierten Nebenaltären.
  • Fenster mit figurativem und ornamentalem Glas, die Lichtstimmungen im Inneren erzeugen.

Die künstlerische Ausstattung umfasst Mosaike, Skulpturen, Wandbemalungen bzw. Malereien und liturgische Ausstattungsgegenstände aus der Bauzeit und späteren Renovierungsphasen. Viele dieser Arbeiten wurden von zeitgenössischen Künstlern und Werkstätten ausgeführt, die mit historistischen Formen vertraut waren.

Bedeutung im 19. Jahrhundert

Im Kontext der Wiener Ringstraßen-Planung repräsentiert die Votivkirche mehrere Ebenen von Bedeutung: Sie ist Sakralbau, dynastisches Denkmal und Teil eines urbanistischen Programms, das die kaiserliche Residenzstadt modernisieren und repräsentativ erneuern sollte. Die Entscheidung für den neugotischen Stil verweist zugleich auf ein gesteigertes historisches Bewusstsein und auf die Suche nach einem Stil, der religiöse Tradition und nationale Identität sichtbar macht.

Als öffentliches Dankeszeichen erfüllte die Kirche eine politische Funktion: Sie band religiöse Symbolik an die Legitimation der Herrschaft und diente festlichen Anlässen sowie offiziellen Gedenkfeiern.

Besuch und praktische Hinweise

Für Einwohner und Touristinnen bzw. Touristen ist die Votivkirche ein beliebtes Ziel: ihr auffälliges Äußeres eignet sich gut für Fotomotive, und das Innere bietet Einblicke in neugotische Sakralkunst. Hinweise für den Besuch:

  • Die Kirche ist je nach liturgischem Programm und Veranstaltungen geöffnet; Eintritt wird in der Regel nicht erhoben, Spenden sind jedoch üblich.
  • Führungen, Orgelkonzerte und thematische Veranstaltungen finden zeitweise statt; aktuelle Termine und Angebote sollten vor Ort oder bei kulturellen Veranstaltern erfragt werden.
  • Bei Gottesdiensten und liturgischen Feiern ist auf angemessene Kleidung und respektvolles Verhalten zu achten.
  • Die Umgebung mit Parkanlagen lädt zu einem Spaziergang ein und ermöglicht weitere Blicke auf die Ringstraßen-Architektur.

Zusammenfassung

Die Votivkirche in Wien ist ein zentrales Beispiel neugotischer Sakralbaukunst des 19. Jahrhunderts und zugleich ein prägnantes Element der Ringstraßen-Architektur. Entstanden als Votivbau nach einem Attentat auf Kaiser Franz Joseph, verbindet sie religiöse, politische und städtebauliche Funktionen. Ihr markantes Turmpaar und die reich gestaltete Fassade machen sie zu einem weithin sichtbaren Wahrzeichen; im Inneren dokumentiert sie die Kunst- und Handwerksleistung der Gründerzeit. Für Besucherinnen und Besucher bietet die Kirche sowohl kulturelle als auch spirituelle Zugänge und ist ein fester Bestandteil des historischen Stadtbilds von Wien.

FAQ

Warum wurde die Votivkirche errichtet?

Die Kirche wurde als Votiv- und Dankeszeichen errichtet, nachdem ein Attentat auf Kaiser Franz Joseph vereitelt worden war. Sie sollte dem Dank Ausdruck verleihen und zugleich als öffentliches Denkmal dienen.

Wer war der Architekt der Votivkirche?

Der Entwurf stammt von Heinrich von Ferstel, einem Architekten der neugotischen und historistischen Bewegung, dessen Projekt in einem Wettbewerb ausgewählt wurde.

Was ist an der Architektur besonders?

Besonders auffällig sind das doppelte Turmpaar, das große Rosettenfenster, die reich gegliederte Westfassade und die insgesamt starke vertikale Betonung des Innenraums – typische Merkmale der Neugotik.

Kann man die Votivkirche besichtigen?

Ja. Die Kirche ist gemäß liturgischem Programm und Sonderveranstaltungen geöffnet. Für genaue Öffnungszeiten, Führungen oder Konzerte empfiehlt sich eine lokale Anfrage bzw. der Besuch vor Ort.